Chuc Mug Nam Moi! Frohes Neues Mondjahr!
Têt ist vorbei, schon etwas länger muss ich gestehen, aber ich konnte mich nicht durchringen einen gescheiten Blogeintrag zu schreiben, was ich jetzt nachhole.
Was sind bei mir für Erinnerungen an das große Fest hängen geblieben und was hab ich danach gemacht?
Nun, wenn ich so zurückblicke auf die ganzen Têt Festlichkeiten, dann kommt mir immer in den Kopf, dass ich eingeladen wurde, ich dorthingefahren bin, viel zu viele Leute kennengelernt habe, gegessen habe, unerwartet in ein weiteres Haus eingeladen wurde, wieder viel zu viele Leute kennengelernt habe, etwas gegessen habe, mich verabschiedet habe, worauf mein Arbeitskollege gesagt hat, dass wir noch bei jemand anderem vorbeischauen müssen und das ganze Spielchen von vorne losging.
Es war wirklich so, dass ich jeden Tag eine Einladung bekommen habe und jeden Tag irgendwo hinfahren und essen musste.
An einem Tag hat mich mein Arbeitskollege Trung eingeladen, bevor wir zu ihm gefahren sind, mussten wir aber noch in meiner Arbeitsstelle und in jedem Museum vorbeischauen und Tee trinken. Nach geraumer Zeit ging es dann zu ihm und dort haben wir noch dem halben Dorf einen Besuch abgestattet und uns an den traditionellen Glücksspielen versucht. Ich habe dabei 8000 Dong gewonnen, wofür ich mir einen Kaffee in meinem Lieblingscafe kaufen konnte. Immerhin etwas.
Einen anderen Tag bin ich nach ich die Strecke Hoi An – Da Nang (30km) vier mal gefahren, weil ich An, eine 22-jährige Vietnamesin, die in Kinderheim lebt, versprochen habe mit auf die Hoi Aner Kirmes zu nehmen und Hoi An zu zeigen. Einen Abend gab es in Hoi An eine riesige Show am See, mit Tänzen, Gesang und Feuerwerk. Und einen anderen Tag bin ich zusammen mit Maria und einer ganzen Horde von Mitarbeitern eine Arbeitskollegin in den Bergen besuchen gefahren. Das war eine Fahrt von zwei Stunden von dieser mindestens eine Stunde über eine Schlagloch und Feldwegstrasse führte. Endlich einmal wieder Bergluft zu riechen war einfach toll und daraufhin habe ich den Entschluss gefasst nach einer Woche Stress und Rumgefahre noch etwas weiter zu fahren (recht widersprüchlich, ich weiß).
Ich habe mir vorgenommen Max und Eike im Bach Ma Nationalpark zu besuchen und das Wochenende mit wandern zu verbringen.
AnspruchDie Fahrt hat ungefähr zwei Stunden in Anspruch genommen. Sie ging von Hoi An nach Da Nang und von dort aus weiter über den Wolkenpass. Der Wolkenpass ist eine der wohl beeindruckensten Passstraßen, wo gibt. Beeindruckend. Ja, mehr kann ich dazu nicht sagen. Man muss ihn wohl selber gefahren sein, um sich ein Bild davon zu machen, wie es ist dort entlang zu fahren. Es ist mir unmöglich eine geeignete Beschreibung darüber zu geben...
Dennoch, werde ich es versuchen.
Als wir von Hoi An losfuhren, war das beste Wetter, das mansich nur vorstellen kann. Sonne und eine angenehme Wärme. Als wir dann in Da Nang waren und auf den Wolkenpasszufuhren konnten wir sehen, dass die Spitzen der Berge, an denen sich der Wolkenpass befindet in Wolken verhangen war. Am Fuß des Passes hieß es dann für mich Vollgas geben und Schwung holen für den Aufstieg. Das arme Motobike hat Geräusche von sich gegeben, ich dachte schon, gleich gibt es den Geist auf, aber es fuhr und fuhr und es ging immer weiter und weiter den Pass hinauf.
Wenn man dann einen Blick zurückwirft, sieht man unter sich die weite halbkreisrunde Bucht Da Nangs und dahinter die Stadt selber. Und wenn man den Blick wieder nach vorne gerichtet hat, dann sah man die immer näher kommende Wolkendecke, die sich am Berg festzuhalten schien. Und auf einmal sah man gar nichts mehr. Ok, man konnte noch ungefähr zehn Meter weit schauen, aber das war dann auch schon alles.
Oben angekommen hätte ich eigentlich noch die alten amerikanischen Geschützstellungen besichtigen können, aber die Sicht war mir dann doch zu eingeschränkt.
Die ersten paar Kilometer auf der anderen Seite waren keine Spazierfahrt, denn es ging steil bergab und die Erbsensuppe von Nebel, die vor mir war, wurde und wurde nicht besser.
Als ich dann endlich durch die Wolkendecke gedrungen bin, war von dem guten Wetter nicht mehr viel übrig geblieben. Der Wolkenpass bildet, wie der Name schon sagt, so etwas wie eine natürliche Staumauer für die Wolken. In Da Nang kann das wunderbarste Wetterchen sein, während Hue im Regen versinkt.
Nach zwei weitern kleinen Pässen und einer ungemütlichen Fahrt auf der A1 war ich dann endlich nach zwei Stunden in Back Ma angekommen. Bzw. ich war nicht auf dem Back Ma Berg sondern erst am Fuß der Berge im Besucherzentrum des Nationalparks. Zuerst einmal bin ich noch mit Max zusammen zu einem Wasserfall gefahren und wir sind noch vor Sonnenuntergang zu dessen Quelle hochgelaufen. Dann zurück und Abendreis gegessen und ins Bett, weil morgen früh aufstehen angesagt war.
Am Samstag morgen dann um 6 Uhr aus den Federn, gefrühstückt und los ging es. 14km auf einer relativ gut ausgebauten Straße den Berg hinauf zum Hotel, dann noch 3km weiter auf der Straße bis zum Ende und noch 2km auf einem Trail (Wanderweg) bis zur Spitze in 1450m Höhe.
Ich hatte schon gedacht, dass Viet Nam nur noch aus Städten und Reisfeldern besteht. Dieses Bild von dem vietnamesischen Dschungel ist schon fast aus meinem Kopf verschwunden, aber an diesem Tag konnte ich mir sicher sein, dass er noch nicht ganz verschwunden ist.
Das Wetter (ein bei vielen Gelegenheiten vorgeschobenes Gesprächsthema, beim Wandern aber nicht außer Acht zu lassen) war perfekt für diese Tour. Es war warm, aber nicht zu heiß, als ich höher kam, kamen die Wolken vom Berg herunter und es wurd sogar richtig kalt (im Dschungel!) und als ich dann am Hotel ankam, war ich schon wieder durch die Wolkendecke gebrochen.
Ich habe allerhand an diesem Tag gesehen. Affen aus der Ferne, wobei ich mir nicht ganz sicher sein kann, Wasserfälle, riesen Eichhörnchen, Vietnamesen, die alle mitm Bus nach oben sind, einen Haufen Müll im Nationalpark, aber als ich dann auf der Spitze war, war alles andere vorher vergessen, weil ich auf ein riesiges weißes Wolkenmeer hinabschaute und ich mich wirklich wie auf dem Dach der Welt gefühlt habe (wahrscheinlich aber war es angenehmer als auf dem Mount Everest zu stehen, da ich nur ein T-Shirt an hatte und keine fünf Lagen an Klamotten).
Verschafft euch erstmal durch die Bilder einen kleinen Eindruck von der Wanderung...
Denn der nächste Tag, der Sonntag, war der beste von allen. Ich bin am frühen Morgen aufgestanden, um die ersten Sonnenstrahlen auf digitales Zelluloid zu bannen. Dabei stand ich auf einem Aussichtsturm in der Nähe meiner Unterkunft. Ich hab da so lange die Zeit verbracht, bis meine Nase kalt wurde, dann entschied ich mich loszugehen.
Mein Weg sollte mich den Five Lakes Trail (Fünf Seen Weg), am Rododendron Wasserfall und auf der Hauptstraße wieder zurück an den Fuß des Berges führen.
Als ich den Abstieg zum Ersten der fünf Seen begann, war mir ja noch nicht klar, wie wunderschön dieses Erlebnis sein würde. Denn der Strom, der das Tal durchzieht, fällt in Kaskaden den Berg hinab und bildet dabei eine ganze Reihe von Wasserfällen und kleinen Seen. Davon werden aber nur fünf als wirkliche Seen bezeichnet.
Der Weg, der an diesen Seen vorbeiführt, ist ein halber Klettersteig und führt gelegentlich drei bis vier Meter über den Wasserfällen. Ein dreißig Zentimeter breiter Weg und ein doppelter Draht zum festhalten, mehr gibt es nicht, um sich dort fortzubewegen.
Aber was all diesen wunderbaren Eindrücken noch die Krone aufs Sahnehäubchen setzt, das ist der der Rododendron Wasserfall. Nach dem ich die fünf Seen hinter mir gelassen habe, dachte ich mir, dass ich mir jetzt noch mal nebenbei diesen Wasserfall anschauen werde und mich dann auf den Heimweg mache.
Als ich aber dann so durch den Wald und entlang eines kleineren Flusses schritt, sah ich vor mir, wie immer mehr Sonnenstrahlen ihren Weg durch die Blätter fanden. Ein dumpfes Rauschen war zu hören, als man dann plötzlich aus dem Wald auf eine kleine Brücke tritt, die über den Fluss geht. Noch fünf Schritte auf einen Fels inmitten des Flussbettes und ich befand mich am schönsten Ort der Welt. Zumindest in diesem Augenblick und zumindest für mich. Denn vor mir, keine fünf Meter entfernt, fiel das Wasser ganze 300 Meter in ein weites, weites Tal, in dem sich gerade der aufsteigende Nebel an den Berghängen hinaufzieht.
Mein Gott! Das war aber was. Das einzige was ich da sein konnte, war glücklich sein.
Die Fotos können diese Atmosphäre gar nicht wiedergeben. Dieser Blick, diese Geräuschkulisse, der Geruch, alles zusammen war unglaublich.
Ich habe über eine Stunde dort verbracht, bis ich mich dann dazu durchringen konnte den Heimweg anzutreten.
Vom restlichen Tag gibt es nicht mehr viel zu berichten, außer das ich total fertig war, als ich wieder zurückkam. Die Eindrücke, die ich aber dort gesammelt habe, werden teilweise unvergesslich sein.
Ich bin bereits ein weiteres Mal mit den Anderen dort gewesen. Es war aber nicht mehr so berauschend, wie beim ersten Mal. Vielleicht muss man sowas alleine erleben, vielleicht lag es am Wetter oder man kann so etwas nur ein einziges Mal erleben. Ich weiß nicht...
Ich werde noch einen kleinen Programmhinweis geben, was denn in nächster Zeit so ansteht. Denn ich werde mitte März für gut eineinhalb Wochen zum Zwischenseminar nach Ha Noi fliegen. Dort werden wir dann auch unseren halbjährigen Vietnamaufenthalt feiern. Und nur gut zwei Wochen später geht dann mein Flieger nach Bangkok, wo ich Daniel abholen werde. Wir werden ein paar Tag in Bangkok sein, dann nach Kambodscha gehen und am 12.04 meine Eltern in Sai Gon abholen und dann noch einmal eine ganze Weile durch Viet Nam touren.
Also freut euch auf weitere Berichte.
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Samstag, 21. Februar 2009
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